Pfingsten

Es ist einfach da - Von der Ursprache des Menschseins

Pfingsten, Foto: Helga Fitzner
Der Geist Gottes weht überall

„Pfingsten ist die Geschichte von der Ausgießung des Heiligen Geistes. Heiliger Geist ist eine Kraft. Das Wort dafür im Hebräischen ist weiblich, es beschreibt die weibliche, die versöhnende, die heilende, die verbindende Kraft Gottes.

Die Jünger wunderten sich selber, als sie bemerkten, dass ihre „Sprache“ von allen Menschen verstanden wurde, obwohl in der Menge Leute aus verschiedenen Ländern vertreten waren. In der Übersetzung heißt das eine „Sprache, die alle verstanden.“ Das waren aber nicht die Worte allein, sondern die Energie des Fühlens, die die Worte der Jünger auf einmal prägten. Die Menschen haben gefühlt, was die Jünger sagen wollten. Diese Botschaft war ganz einfach: Du bist kostbar, du bist ein Gotteskind, du bist geliebt, und wir gehören zusammen. Zusammen sind wir reich. Und der Tod ist nichts, vor dem wir Angst haben müssen. Wir brauchen uns nicht zu fürchten auf dieser Welt. Wirklich nicht.

Ich finde diesen Grundgedanken einfach schön, dass alle Menschen, ganz viel Verbindendes haben, zum Beispiel, die Ehrfurcht vor dem Leben in Form von Achtung der Natur und der Tiere, all dessen, was lebt. Das Wissen, dass das ein Geschenk ist, dieses Element Schöpfung haben alle Religionen, auch alle Kulturen. Es gibt keine Form von Gesellschaft, in der das nicht vorkommt. Das ist das, was alle Menschen miteinander verbindet, weil wir darauf angewiesen sind und weil es uns reich macht und uns am Leben hält. Und wir machen es nicht. Es ist einfach da. Die Luft ist einfach da. (Wir machen sie kaputt, aber wir machen sie nicht). Alle Menschen teilen das. Das ist ein riesiger, gemeinsamer Nenner. Die Politik und die Wirtschaft treten das jeden Tag mit Füßen, aber alle Menschen wissen das.

Dass ein Menschenleben kostbar ist, weiß jeder Mensch in dem Augenblick, wo ein Kind geboren wird. Egal wo. Das Leben ist unantastbar. Es ist kostbar. Daraus abgeleitet: Du sollst nicht töten. Du hast es gar nicht nötig zu töten. Es gibt so viele Lebensdinge, die alle Menschen auf der Erde gemeinsam haben. Dahinter steckt für mich der Heilige Geist, der uns auf diesen Weg bringt, durch den wir wieder mit dem göttlichen Gedanken in Berührung kommen. Das ist eine gemeinsame Sprache, die wir sprechen. Das ist die Ursprache des Menschseins, das, was wir zum Leben miteinander brauchen und haben. Das ist die Übersetzung von Pfingsten.

Pfingsten heißt auch: Verbindung mit mir selbst. In mir fließt etwas zusammen. In mir ist der Lebensodem Gottes. Ich bin beatmet. Eine von den Künstlerinnen, die mit der Lutherkirche verbunden sind, Agnes Erkens, sagt immer: Wir sind Beatmete. Das finde ich treffend. Denn den Atem machen wir nicht. Wir denken immer, dass es selbstverständlich ist, dass wir atmen. Nein. Das ist nicht selbstverständlich. Wir bekommen den Atem geschenkt. Und wenn wir ausatmen, fließt wieder neuer Atem ins uns herein, aber ganz anders, als wir denken oder uns vorstellen können. Und an Pfingsten bekommen wir ein wenig zu spüren von dieser Heilig-Geist-Dimension. Über Gott zu reden, ist gut. Ihn zu spüren, heißt aber, ihn erleben. Ja, da ist etwas. Das berührt mich, das ist auch in mir drin. Aber es wird nie in mir gefangen sein, es will immer auch zu den anderen. Es verbindet mich.“
Pfarrer i. R. Hans Mörtter

Was ist Pfingsten?

Zum Abschluss noch ein paar lexikalische Informationen. Das Fest bezeichnet den 50-sten Tag nach Ostern. Gefeiert wird die Entsendung des Heiligen Geistes an die Apostel, die dadurch befähigt wurden, das Wirken Jesu fortzusetzen. Pfingsten wird deshalb auch als die Geburtsstunde der Kirche gefeiert.

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ (Apostelgeschichte 2,1-4).

Das ist im Prinzip, was auch bei der Taufe geschieht, der Täufling empfängt den Heiligen Geist und wird dadurch wiedergeboren. Die plötzlichen Sprachfähigkeiten der Apostel werden auch als Pfingstwunder bezeichnet. Hatte Gott die Arroganz der Menschen beim Turmbau zu Babel noch bestraft, indem er ihre Sprache verwirrte, ist die babylonische Sprachverwirrung durch diesen Akt der Gnade aufgehoben.

Aus der Entsendung des Heiligen Geistes und des Pfingstwunders leitet die Kirche ihr Recht und ihre Aufgabe zur Missionierung ab…

Der Pfingst-Ochse ist übrigens kein Schimpfwort, viel schlimmer. Es gab einmal den Brauch, dass Metzger zu Pfingsten einen fetten Ochsen mit Blumen und Girlanden schmückten und durchs Dorf trieben. Danach ging es zur Schlachtbank.